Generationen-Gespräch/e in den Tourismusschulen Bad Gleichenberg -
Ein Ges.Pol. Dialog-Format der Kath. Aktion Stmk.
Im Festsaal der Schule versammelten sich etwa 80 SchülerInnen (der Klassen 4b, 5a und 5b) und LehrerInnen sowie mehrere Gleichenberger SeniorInnen, um dem Lebensbericht von Helmut Spielmann zu „lauschen“.
40 Minuten Stille und Hören, das ist nicht unbedingt was die Unterrichtsstunden im modernen Schulalltag prägt. Heute waren das Interesse und die Betroffenheit den jungen Menschen ins Gesicht geschrieben, und ihre Fragen zeugten von der Aufmerksamkeit und dem tiefen Verstehen für den erschütternden Lebensbericht des betagten Herrn, der diesen aber auch mit lustigen Begebenheiten spickte. Schließlich war er 41 Jahre selbst Lehrer und wusste diese mehr als ungewöhnliche Geschichtestunde gut zu lenken.
Mag. Norman Seifert, Professor für Geschichte und Deutsch, betonte einleitend, es gehe ihm mit diesem „Zeitzeugengespräch“ um eine Aktualisierung von Zeitgeschichte für die Lebenswelt von SchülerInnen heute, und wie wenig Bücherwissen allein bzw. die Chronologie bloßer Fakten dazu geeignet seien, Geschichte lebendig werden zu lassen. Konkrete Einzelschicksale könnten die Schrecken dieser Zeit wesentlich besser vermitteln: Zur Vorbereitung hatte Mag. Seifert „seinen“ SchülerInnen die Aufgabe gestellt, Großeltern und noch lebende Urgroßeltern zu Nationalsozialismus und Krieg zu befragen. Die Erkenntnis daraus: Weltgeschichte ist sehr deutlich auch in der eigenen Familiengeschichte verwurzelt.
Prof. Seifert lud seinen Bekannten, den ehemaligen Englisch- und Biologielehrer H. Spielmann, in die Schule ein: Halbjude, Jg. 1930, Arisierung des elterlichen Betriebes in Graz 1938, der Vater im KZ Dachau, von dort zurückgeschickt, 1939 Flucht der Familie nach Shanghai, 1947 Rückkehr nach Österreich ….
Ein Problemfeld geschichtsdidaktischer Bemühungen bestehe darin, die nationalsozialistische Vergangenheit nicht als geschlossene, politisch abgegrenzte Epoche darzustellen, sondern ihr Weiterwirken in neo-nazistischen Worten und Handlungen zu begreifen. Der rote Faden verlaufe vom Antisemitismus und der Stigmatisierung durch die Nürnberger Rassengesetze zu Fremdenhass und Ausländerhetze heute und hier. Abschließend gibt auch Zeitzeuge Spielmann den Jugendlichen zu bedenken, genau hinzuschauen, welchen politischen Richtungen, ja Parteien sie zu zugehören wollen und welchen nicht.
Diese Veranstaltung erfolgte in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk in der Steiermark: Intergenerationales Lernen!
Im Vorjahr gab es im Zuge der "Scham und Schuld - Ge-/Bedenkjahr"- EB-Serie zu 1938 ebenfalls ZeitzeugInnen - Gespräche in Schulen.Meine Erfahrung damit, wie es auch hier "didaktische Vorgabe" war ... jungen Leuten wird im persönlichen Austausch mit der älteren Generation erst bewusst, wie und wie anders Leben "damals" war.
Die Älteren genießen das Interesse und die Lebendigkeit der jungen Menschen, ich glaube, dass sie es als "heilsame Biografiearbeit" erleben, den jungen Menschen ihre Erlebnisse und Lebenserfahrungen mitzuteilen.
Also sind solche intergenerationalen Initiativen und Aktivitäten sehr empfehlenswert für gegenseitiges "Lernen" und ein wesentlicher Auftrag für die "Zukunft" der Erwachsenenbildung.
Mag.a Ulrike Seifert, KBW-Steiermark

