Gesellschaftspolitischer Dialog der Katholischen Aktion Steiermark
Der Gesellschaftspolitische Dialog der Katholischen Aktion und zugleich Auftaktveranstaltung der Betrieblichen Elternbildung des Katholischen Bildungswerkes am 26.5.2009 in der Arbeiterkammer in Graz begann mit einem fulminanten Vortrag von Frau Prof. Dr. Jutta Rump zum Thema: „Die familienbewusste Unternehmens- und Personalpolitik“. Sie betonte gleich am Anfang, dass für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mehr erforderlich sei als nur der Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuungsplätze.
Am Podium diskutierten anschließend mit Frau Prof. Dr. Rump Mag. Herbert Beiglböck, Wirtschaftsdirektor der Diözese Graz - Seckau, Mag. Bernadette Pöcheim, Frauenreferentin der Arbeiterkammer, Mag. Martina Platter, Elternbildnerin des Katholischen Bildungswerkes und Stefan Kirchpal, Personalentwickler von Magna Steyr. Moderiert wurde der Abend von Mag. Harald Unterberger.
Der Arbeitsmarkt werde weiblicher und viele der Arbeitskräfte von morgen, die gerade in Ausbildung sind, möchten in Zukunft Beruf und Familie vereinbaren können. Zusätzlich würden die Arbeitskräfte aufgrund der demografischen Entwicklung weniger und Unternehmen müssten in Zukunft wieder aktiv um MitarbeiterInnen werben. Gelebte Familienfreundlichkeit sei dafür ein entscheidendes Kriterium.
Eine familienbewusste Unternehmens- und Personalpolitik habe alle Lebensphasen der MitarbeiterInnen im Fokus. Es sollte ein Service für Familien geboten werden von Information über Kinderbetreuung, Ferien- und Notfallbetreuung, Unterstützung bei der Pflege bis hin zu Betrieblicher Elternbildung usw.
In der Diskussion wurden die verschiedenen Seiten der Familienfreundlichkeit aufgezeigt. Frau Prof. Rump empfahl den Unternehmen, Familienfreundlichkeit auch in der Öffentlichkeit zu präsentieren. z.B. durch Seminare und Weiterbildungen im Unternehmen zum Thema.
Für Herrn Mag. Beiglböck ist die ganzheitliche integrative Herangehensweise an das Thema (Unternehmenskultur, Führung und Organisation) einer der wichtigsten Punkte des Vortrags. Wichtig sei es letztendlich, die unterschiedlichen Biografien der Menschen mit Respekt zu sehen. Lösungen für Pflege und Kinderbetreuung müssten in ein Gesamtkonzept aufgenommen werden.
Mag. Martina Platter berichtete über das Projekt „Betriebliche Elternbildung“. In der Diözese findet gerade ein Pilotprojekt mit 4 Seminaren statt. In weiterer Folge würden in erster Linie Unternehmen kontaktiert, die als familienfreundliche Betriebe ausgezeichnet wurden. Ein Nutzen für Unternehmen sei es, das Querdenken zwischen Familie und Beruf zu fördern - z.B. im Seminar „Grenzen setzen im Beruf und bei Kindern“. Inhalte wie Kommunikation und Konflikte seien für beide Seiten sehr gut praktisch anwendbar.
Mag. Bernadette Pöcheim zeigte die Probleme auf, mit denen Frauen mit der Geburt des ersten Kindes oft konfrontiert seien: Führungspositionen seien oft mit dem ersten Kind weg.
Ziel ihrer Arbeit sei es, Frauen all die Informationen und Unterstützung zu geben, die sie bräuchten, um auch in schwierigen Zeiten ihren Job zu erhalten. Die Arbeiterkammer biete viel in Bezug auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf – vom AK-Karenz Bildungskonto bis zum WiedereinsteigerInnen – Frühstück.
Stefan Kirchpal von Magna Steyr beschrieb seine Zeit in Väterkarenz als deutlich anstrengender als täglich arbeiten zu gehen. Die Väter, die in Karenz gehen wollen, bräuchten Mut und sollten es einfach tun. Elternbildung unterstütze er persönlich sehr, bei Magna könne er es sich nicht so leicht vorstellen. Die Familienangelegenheiten sollten lieber außerhalb der Firma stattfinden.
Zum Abschluss wurde von allen Seiten nochmals darauf hingewiesen, dass Eltern auch Wahlfreiheit haben sollten, zu welchem Zeitpunkt sie wieder in den Beruf einsteigen möchten. Allerdings wurde deutlich, dass echte Wahlfreiheit voraussetzt, dass Bedingungen geschaffen werden, die unter Berücksichtigung der finanziellen, zeitlichen und infrastrukturellen Seite auch eine tatsächliche Wahl zulassen.
Fotos: Gerd Neuhold, Sonntagsblatt

