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„Lange leben will jeder, alt werden niemand“ - Auftakt zum KA-Jahresschwerpunkt „Gelingendes Altern“

Der Gesellschaftspolitische Dialog „Gelingendes Altern" war die Auftaktveranstaltung zum Jahresthema 2009 der Katholischen Aktion. Sie wurde am 24.1.09 veranstaltet von der Katholischen Aktion mit ihren Teilorganisationen in Kooperation mit dem Bildungshaus Mariatrost.

1970 forderte Simone de Beauvoir, das Alter nicht zu verklären, sondern durch konkrete Taten gelingendes Altern zu ermöglichen. Daran erinnerte Sabine Pelzmann-Knafl, Präsidentin der Kath. Aktion Steiermark, bei der gesellschaftspolitischen Tagung. Es gehe darum, die Lebensphase des Alterns nicht als Belastung zu sehen, sondern als Chance, ohne dabei reale Probleme aus dem Blick zu verlieren.

Als Hauptreferentin konnte Lo von Gienanth gewonnen werden, die in ihrem Buch „Was heißt hier alt“ erfrischend offen den Umgang unserer Gesellschaft mit Altern analysiert. Dabei bekämpft sie zwei Klischees: „Zum einen die blinde Schönfärberei, mit lauter furchtbar fidelen und braungebrannten Best-Agers, zum anderen eine allgemeine Methusalem-Hysterie, laut der eine „Vergreisung der Gesellschaft“ droht“ Die Lebensdauer der Menschen werde 2050 bei neunzig Jahren liegen, eine historisch einmalige Situation. Die Referentin forderte „Phantasie und Mut zur Veränderung, viel mehr Flexibilität in der Gestaltung des Lebenslaufs und im gesellschaftlichen Miteinander. Wir leben auch länger, weil wir länger gesund bleiben – einerseits. Doch es wird auch mehr schwache und kranke Menschen geben – und unsere Kultur wird Antworten finden müssen auf solche Fragen: Wie gehen wir um mit Schwäche und Krankheit? Und können wir uns leisten, auf das Potential der Erfahrungen eines langen Lebens zu verzichten?“

Paradox sei, dass alle lange leben, aber keiner alt werden wolle. Ein unsinniger Jugendkult kneble Junge und Ältere. Leute ab Mitte Vierzig gehörten oft zum alten Eisen, gleichzeitig werde die Gruppe der „jungen Alten“ als lukrativer Markt entdeckt. Ausgrenzung und Diskriminierung des Alters passiere nach ähnlichen Mustern wie alle Benachteiligung, sei es wegen des Geschlechts, der Hautfarbe oder der ethnischen Zugehörigkeit. So wie Europäer von Afrikanern oder Asiaten sagen: Aber die sehen doch alle gleich aus! – ganz ähnlich verhalte es sich mit „den Alten“. So raube man alten Menschen ihr Gesicht, ihre Geschichte, ihre Individualität. Leitend sei für sie die Aussage: „Älter zu werden, das ist, einen Berg höher und höher zu kommen. Die Kräfte lassen nach, aber dein Blick wird weiter und weiter. Du siehst klarer. Dann spürst du viel mehr in den Texten, auch in deinem Text...!“ Das sei vielleicht eine poetische Umschreibung für gelingendes Altern.

Rolf Spiegel, Generalsekretär der KA, verband diese Aussage mit der Forderung nach „einer Art Ehrenrettung der Lebensphase Alter, die wie jede andere Lebenszeit wichtig ist, Sinn hat, Entwicklung ermöglicht und das Leben vollendet.“ Die KA wolle das Alter als einen Lebensabschnitt bewusst machen, der seinen ganz besonderen Wert habe und christlich gestaltet werden könne. Wie Jo von Gienanth sagte: „Uns neuen Alten könnte etwas Gutes gelingen: Schwäche mit Selbstbewusstsein zu verbinden. Das wäre wahrscheinlich nicht allein für uns hilfreich, sondern obendrein ein nötiges Gegengewicht in einer Gesellschaft, die vor lauter falscher Stärke und Dauerdynamik manchmal aus allen Nähten platzt.“

Georg Plank