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Schuld und Scham - Ge-/Bedenkjahr 1938

Die Veranstaltungsreihe des Katholischen Bildungswerkes lädt zur Auseinandersetzung mit den Geschehnissen von 1938 ein und soll zur Friedensarbeit in unserem Land beitragen

Am 6. Oktober beginnt die Veranstaltungsreihe des Katholischen Bildungswerkes zum Bedenk-/Gedenkjahr 38

Auseinandersetzung mit uns selbst als politische Menschen
Mit einer Veranstaltungsreihe zum Bedenk-/Gedenkjahr 1938 wird das Katholische Bildungswerk der Diözese Graz-Seckau dem Auftrag gerecht, sich als Kirche mit Klarheit und Mut brisanten Themen, Fragen und Herausforderungen der Zeit zustellen und zum Dialog einzuladen.
„Die Auseinandersersetzung mit 1938 ist eine Auseinandersetzung mit uns selbst als politische Menschen. Die Frage ist, wie weit setzen wir uns jetzt und heute für die Freiheit in der Gesellschaft und das Achten und Schützen von Würde und Integrität von Anderen ein“ so die steirische KA-Präsidentin DI Sabine Pelzmann-Knafl. Im Rahmen der „Gesellschaftspolitischen Dialogformate“ der Katholischen Aktion Steiermark setzen sich von Oktober bis Dezember namhafte Referent/inn/en und Zeitzeug/inn/en in der ganzen Steiermark mit der vielschichtigen Thematik des Jahres 1938 auseinander.

Thema, das immer noch fassungslos macht
Das Katholische Bildungswerk hofft mit der Reihe einen Beitrag zur Friedensarbeit in unserem Land zu leisten. Die Referentinnen und Referenten, vor allem auch Betroffene, werden viele Fragen aus unterschiedlicher, persönlicher Sichtweise beleuchten und zur Erhellung eines Themas beitragen, das immer noch fassungslos werden lässt bzw. für das bei tieferer Betrachtung noch immer um passende Worte gerungen wird. Historisch-politische Aspekte finden ebenso Beachtung wie die wissenschaftlich fundierte Fragestellung „Wussten unsere Bischöfe 1938 nicht Bescheid?“ oder der Umgang mit unaufgearbeiteter Geschichte unter dem Motto „verdrängen – vergessen – verstehen – versöhnen – vergeben…“.

Höhepunkt mit dem Autor Robert Schindel
Als „Highlight“ gilt die Veranstaltung mit dem international bekannten Autor Robert Schindel, der als Betroffener (geb. 1944) zum Leben der „Nachgeborenen“ besonders viel zu sagen hat. Unter Tausenden Namenlosen verkörpert der Träger zahlreicher Literaturpreise die Thematik ad personam und integriert seine schmerzlichen Erfahrungen in Lebenshaltung und Lebenswerk. Dieser Abend am 20. November im Bildungshaus Mariatrost findet in Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde, dem Komitee f. christlich-jüdische Zusammenarbeit, dem Evangelischen Bildungswerk und dem BH Mariatrost statt.

Damit nie wieder etwas Vergleichbares geschieht
„Wir, die wir die „Gnade der späten Geburt“ in Anspruch nehmen können, haben zwei Dinge zu leisten: Das eine ist die tiefe Scham darüber, dass solches in unserem Lande, bei unseren eigenen Vorfahren, und trotz unserer gerühmten Kultur geschehen konnte. Und das andere ist die unverzichtbare Aufgabe, die jede und jeder leisten kann und muss: im Wissen um vergangene Schuld alles, wirklich alles daran zu setzen, dass etwas Vergleichbares nie wieder geschieht. Denn bevor man aus der Geschichte lernen kann, muss man erst verstehen, wie es zu den Geschehnissen kommen konnte.“ (Dr. Friedl Melichar)

Info: Mag.a Ulrike Seifert, ulrike.seifert@graz-seckau.at, 0676/8742-2444
Alle Veranstaltungen im Überblick:
Montag, 6.Okt., Graz - St. Veit, Pfarrheim, 19.00 Uhr:
Dr. Friedl Melichar, Erwachsenenbildner, AHS-Lehrer i. R.
Verdrängen – vergessen – verstehen - versöhnen – vergeben …
Über den Umgang mit unaufgearbeiteter Geschichte
Bevor die Frage beantwortet werden kann, ob man aus der Geschichte lernen kann, gilt es darüber nachzudenken, wie ein differenziertes Wissen über die Vergangenheit zu einem besseren Verständnis beiträgt. Die Kontroverse zwischen Opfer- und Mittäterrolle kann auch in die Gegenwart übertragen werden …
Vortrag und Gespräch
Weiterer Termin:
Dienstag, 18.Nov., St. Johann/Herberstein, Pfarrhof, 19.00 Uhr:
In Koop mit dem Österr. Kameradschaftsbund

Dienstag, 7. Okt., Kammern, Pfarrsaal, 19.00 Uhr:
Mag.a Christina Kölbl, Theologin, Historikerin,
im Gespräch mit der Zeitzeugin Rosa Illek
„Mit dem 3. Mai 1945 habe ich mein Leben verloren ... und ein anderes gefunden."
In Koop mit der kfb
Weiterer Termin:
Im BG/BGR/MG Dreihackengasse, im Rahmen des Religionsunterrichts
(Schulveranstaltung: Datum, Uhrzeit auf Anfrage)
In Koop mit der kfb

Donnerstag, 9., Okt., Fehring – Schule Schloss Stein/St. Martin, 19.00 Uhr:
Welcher „Geist“ hat uns begeistert?
Erkenntniswege einer Zeitzeugin – Dr.in Erika Horn, Jg. 1918, Erwachsenenbildnerin, Pionierin auf dem Gebiet der Gerontologie, im Interview mit Dr.in Elisabeth Welzig, Journalistin, Autorin
In Koop mit der Fachschule Schloss Stein

Donnerstag, 16. Okt., Kirchberg, Pfarrsaal, 19.30 Uhr:
Mag.a Ulrike Seifert, pädagog. Mitarbeiterin im KBW Stmk.
„Träume brauchen nicht viel Platz“ - ein berührendes Bild der Zeit zw. 1918 und 1948
Lesung mit Gespräch

Montag., 20. Okt., Knittelfeld
Gymnasium Knittelfeld, Kärntnerstr. 5, 11.50 – 13.35 Uhr:
Zeitzeugengespräch mit SchülerInnen der 8. Klasse Klasse/n
Pfarrsaal Knittelfeld, Kirchengasse 7, 19.30 Uhr:
DI Hermann Schaller, Landesrat i.R.
1938 – Erlebtes und Erfahrenes
Als Kind mit den Ereignissen von 1938 konfrontiert, in einer sehr politischen Familie aufgewachsen und sozialisiert, möchte der Referent Zeitzeuge für eine vermeintlich „unpolitische“ Generation sein. Vortrag und Gespräch
Weiterer Termin:
Donnerstag 30. Okt., Stubenberg, Gemeindesaal, 15.30 Uhr:
In Koop mit dem SeniorInnenbund

Donnerstag, 23. Okt., Feldbach, Pfarrheim, 19.00 Uhr:
Prof. Dr. Rainer Bucher, Pastoraltheologe, Autor, Graz
„Hitlers Theologie“
Rainer Bucher, Dr. theol., Pastoraltheologe, geb. 1956, untersucht in seinem Werk Hitlers Intention und theologische Begründungsstrukturen seines politischen Konzepts.
Impulsreferat des Autors und Podiumsgespräch mit
Mag. Norman Seifert, Pädagoge, Historiker
Koop Stadtgemeinde mit KBW Feldbach

Donnerstag, 6. Nov., Fehring, Gerberhaus, 19.00 Uhr:
Mag. Heinz Stroh, Evang. Pfarrer i.R., z.Zt. gemeinsam mit Mag.a U. Stroh: Leitung der Licht-Klause in Deutschfeistritz
Das Überleben von Marc Chagall in der Kraft des chassidischen Glaubens und die Bilderwelt seiner biblischen Visionen
1938 verhöhnt als „Entartete Kunst“, heute als einer der größten Glücksfälle der abendländischen Kunst des vergangenen Jahrhunderts erkannt.
Bildpräsentation: Fritz Fink
Jüdische und slawische Musik: Andriy Ivchenko und Boris Michalcic, Graz
Koop Gerberhausverein mit KBW Fehring

Dienstag, 11. Nov., Hartberg, Pfarrsaal, 19.00 Uhr:
Dr. Kurt Wimmer, Historiker, Journalist, Autor von „Damals,1938“, Chefredakteur i.R., ehem. Präsidiumsmitglied der KA
1938: Österreichs Ende – und Anfang. Ablauf und Folgen eines für Österreich entscheidenden historischen Prozesses im Schicksalsjahr 1938.
Vortrag und Diskussion
Weitere Termine:
Freitag, 14. Nov., Judenburg-St.Nikolaus, Pfarrsaal, 19.00 Uhr
Im BG/BGR/MG Dreihacken, im Rahmen des Geschichtsunterrichts
(Schulveranstaltung: Datum, Uhrzeit auf Anfrage)

Donnerstag, 20. Nov., Graz - BH Mariatrost, 19.00 Uhr:
Robert Schindel, Betroffener, 1944 geb., verlor vier Monate nach seiner Geburt seine Eltern, die verhaftet und nach Auschwitz deportiert wurden, der Vater starb in Dachau …
Autor, „Gebürtig“ wurde verfilmt, „Wundwurzel“ und „Fremd bei mir selbst“ zuletzt bei Suhrkamp, zahlreiche Literaturpreise. Robert Schindel bezeichnet sich als Agnostiker.
„Die Ringparabel heute“ – ein literarischer Abend und mehr …
Koop mit BH Mariatrost, Evangelisches Bildungswerk, IKG und Komitee f. CJZ

Freitag, 21. Nov., Fehring, Pfarrheim, 19.30 Uhr:
Katharina Ebli: „Geh sie zu die Gitler…“ (Gehen sie zu Hitler!) (Kärntner Druckverlag)
Lesung aus der Autobiografie einer Zeitzeugin
Anschließend Gespräch
Koop Katholische Frauenbewegung mit KBW Fehring

Freitag, 21. Nov., Graz, Heilandskirche, Gemeindesaal, 19.30 Uhr:
Prof. Dr. Rainer Bucher, Pastoraltheologe, Autor, Graz
„Hitlers Theologie“
Rainer Bucher, Dr. theol., geb. 1956, gibt in seinem Buch eine klarsichtige wie fulminante Untersuchung von Hitlers politischer Projektbeschreibung und ihrer theologischen Begründungsstrukturen.
Impulsreferat und Gespräch
Eigenveranstaltung: ebs – Evangel. Bildungswerk

Dienstag, 25. Nov., Graz – BH Mariatrost, 19.00 Uhr:
Dr.in Gabriele Czarnowski, Politikwissenschaftlerin, derzeit Gastwissenschaftlerin am Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Med. Univ. Graz, war wiss. Mitarbeiterin im Projekt "Gynäkologie im Nationalsozialismus. Die Universitätsfrauenklinik Graz 1938-1945" (Leitung: Éva Rásky) Mitautorin von
Frauen- und Geschlechtergeschichte des Nationalsozialismus. Fragestellungen, Perspektiven, neue Forschungen. (J.Gehmacher und G.Hauch (Hg.innen): Innsbruck/Wien 2007)
Buchpräsentation und Vortrag über
Die Grazer Universitätsfrauenklinik im Nationalsozialismus
Koop mit ebs, kfb und BH Mariatrost
Freitag, 28. Nov., Hausmannstätten, Pfarrsaal, 19.00 Uhr:
Univ.-Prof. Dr. Maximilian Liebmann, Vorstand des Instituts für Kirchengeschichte und kirchliche Zeitgeschichte der Theolog. Fakultät Graz, i. R., anerkannter Experte für Fragen der Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus
"Warum grüßte Kardinal Innitzer mit Heil Hitler?"
Vortrag und Diskussion

Mittwoch, 3. Dez., Stubenberg, Gemeindesaal, 19.00 Uhr:
Mag. Hans Putzer, Studium d. Germanistik u. Theologie, Chefredakteur. NEUES LAND
Wie christliche Bauern zum Nährstand wurden
Die steirische Landwirtschaft stand am Ende der Ersten Republik vor dem kollektiven Untergang. Mit gezielten Aktionen wurden die Nationalsozialisten unter den Bäuerinnen und Bauern rasch populär. Das böse Erwachen war dann umso schrecklicher: Viele Höfe waren zwar gerettet, doch die Väter und Söhne blieben im Krieg.
Vortrag mit Diskussion
In Koop mit dem Steirischen Bauernbund

(03.10.2008 - Autor: seifert/lambauer)